Impressions of the last day
Ich kenne schon lange dieses Gefühl, schreiben zu wollen, zu müssen, und nicht zu wissen worüber. Manchmal ist es verschlossen und die meiste Zeit suche ich wohl einfach in der falschen Richtung.
Ich weiß nur, wenn das Thema auf dich kommt verschwimmt mein Blick und der Boden verliert sich, und plötzlich fließen Bilder aus mir heraus.
Ich weiß nicht, wie lange und wie oft ich das kann, ob es ein Stück gehen lassen oder ein Stück festhalten ist, aber der Gedanke kam mir irgendwann, dass wenn ich schreiben muss, ich über dich schreiben müsste... ich werde mal versuchen, das umzusetzen.
*
Mir fallen nur Momente ein, Bruchstücke, einzelne Bilder. Nachdem du mit der Psych KG zwangseingewiesen wurdest- wußtest du inzwischen, dass ich diesen Krankenwagen gerufen hatte? - und mal wieder innerhalb von Minuten ein Zukunftsmodell das andere ablöste. Ich war gerade in Buldern, bin Freitag eher gefahren, mehr oder weniger direkt zu dir. Du warst noch zuhause, aber ich durfte schon nicht mehr ins Haus, also saßen wir vor der Tür in meinem Auto, es war mal wieder Januar, wie immer wenn du abgestürzt bist. Zu kalt um draußen rumzusitzen, und ich zu verzweifelt um irgendwas koherentes zu sagen, also hab ich irgendwann einfach den Gang eingelegt und bin losgefahren, um die Ecke am Friedhof vorbei und auf die Zufahrt Richtung Autobahn. Wohin ich fahre, hast du gefragt, aber das wußte ich zu dem Zeitpunkt selbst noch nicht. Erst als ich auf der A1 war fiel mir ein, dass dir die Hohensyburg in Dortmund gefallen könnte.
Die 1 ist immer noch eine einzige Baustelle, ich bin vor kurzem erst wieder dort langgefahren. An diesem Abend schneite es, der erste Schnee in diesem Jahr - 2007? - und ich hatte natürlich noch Sommerreifen drauf. Totaler Tunnelblick auf der linken Spur durchs Bergische Land, in der Baustelle, im Stockdunkeln, irgendwas kurz vor eins, dicke Flocken gegen die Scheibe, laute Musik und meine Gedanken in der Schleife gefangen, was ist wenn ich dich verliere. Du sagtest später mal, ni dem moment hättest du am liebsten kurz ins Lenkrad gegriffen... ja, ich habe dich herausgefordert. Du wolltest sterben, damals schon, ich wollte nur nicht ohne dich leben.
Wir hatten nicht wirklich was vorbereitet, keine warmen Klamotten dabei, es war scheißkalt - nachdem wir es den Pass hoch geschafft haben, was mich in anbetracht der Straßenverhältnisse immer noch wundert - aber ich wollte nicht zurück, nicht weg, nur in diesem Moment bleiben weil jede weitere Sekunde eine Richtung Abschied sein musste, unabwendbar. Es war nicht wirklich kälter als in MeckPomm, aber so kurz nach Entzug und Hungerstreik hast du es draußen nicht lange ausgehalten - das ist eines der Bilder von dir, dass mich bis heute verfolgt, die grauen Augen die mich an den magersüchtigen kleinen Jungen in Marsberg erinnert haben. Ich bin ausgerutscht, gestolpert, hab dich angeschrien und wollte eigentlich nur draußen in der Nacht bleiben und die Zeit anhalten.
Wir sind über die A40 und die A3 zurück nach Türnich gefahren, haben an der Tankstelle in Bochum Stahlhausen gehalten um Waschwasser nachzufüllen, inzwischen regnete es nur noch und ich habe die drei Bilder geschossen, die jetzt hier über meinem Bett hängen - Impressions of the last day. Es war nicht unser letzter Tag zusammen, aber es war einer der intensivsten Momente überhaupt, dort im Regen auf dem Autobahnabschnitt der sich komischerweise immer schon wie zuhause angefühlt hat.
Ich hab dich zurück nachhause gebracht, du bist ausgestiegen, hast deine Sachen aus dem Kofferraum genommen, bist nochmal kurz reingekommen - auf meine Bitte hin - und was danach kam, darauf hast du irgendwann später nochmal angespielt, da bin ich mir fast sicher. Ich wollte dich nicht gehen lassen... ich hab dir gesagt, dass ich nicht weiß was ich tun soll wenn ich dich verliere. 'Du, mich verlieren? Du kannst mich nicht verlieren. Selbst wenn ich sterbe nicht.'
Die Rückfahrt von dir nach Essen war immer schwierig... nie der richtige Moment zu gehen. Kaum angekommen erreichte mich deine SMS. 'Ich werde leben.' - für mich war es trotzdem einer der letzten Tage.
Ich weiß nur, wenn das Thema auf dich kommt verschwimmt mein Blick und der Boden verliert sich, und plötzlich fließen Bilder aus mir heraus.
Ich weiß nicht, wie lange und wie oft ich das kann, ob es ein Stück gehen lassen oder ein Stück festhalten ist, aber der Gedanke kam mir irgendwann, dass wenn ich schreiben muss, ich über dich schreiben müsste... ich werde mal versuchen, das umzusetzen.
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Mir fallen nur Momente ein, Bruchstücke, einzelne Bilder. Nachdem du mit der Psych KG zwangseingewiesen wurdest- wußtest du inzwischen, dass ich diesen Krankenwagen gerufen hatte? - und mal wieder innerhalb von Minuten ein Zukunftsmodell das andere ablöste. Ich war gerade in Buldern, bin Freitag eher gefahren, mehr oder weniger direkt zu dir. Du warst noch zuhause, aber ich durfte schon nicht mehr ins Haus, also saßen wir vor der Tür in meinem Auto, es war mal wieder Januar, wie immer wenn du abgestürzt bist. Zu kalt um draußen rumzusitzen, und ich zu verzweifelt um irgendwas koherentes zu sagen, also hab ich irgendwann einfach den Gang eingelegt und bin losgefahren, um die Ecke am Friedhof vorbei und auf die Zufahrt Richtung Autobahn. Wohin ich fahre, hast du gefragt, aber das wußte ich zu dem Zeitpunkt selbst noch nicht. Erst als ich auf der A1 war fiel mir ein, dass dir die Hohensyburg in Dortmund gefallen könnte.
Die 1 ist immer noch eine einzige Baustelle, ich bin vor kurzem erst wieder dort langgefahren. An diesem Abend schneite es, der erste Schnee in diesem Jahr - 2007? - und ich hatte natürlich noch Sommerreifen drauf. Totaler Tunnelblick auf der linken Spur durchs Bergische Land, in der Baustelle, im Stockdunkeln, irgendwas kurz vor eins, dicke Flocken gegen die Scheibe, laute Musik und meine Gedanken in der Schleife gefangen, was ist wenn ich dich verliere. Du sagtest später mal, ni dem moment hättest du am liebsten kurz ins Lenkrad gegriffen... ja, ich habe dich herausgefordert. Du wolltest sterben, damals schon, ich wollte nur nicht ohne dich leben.
Wir hatten nicht wirklich was vorbereitet, keine warmen Klamotten dabei, es war scheißkalt - nachdem wir es den Pass hoch geschafft haben, was mich in anbetracht der Straßenverhältnisse immer noch wundert - aber ich wollte nicht zurück, nicht weg, nur in diesem Moment bleiben weil jede weitere Sekunde eine Richtung Abschied sein musste, unabwendbar. Es war nicht wirklich kälter als in MeckPomm, aber so kurz nach Entzug und Hungerstreik hast du es draußen nicht lange ausgehalten - das ist eines der Bilder von dir, dass mich bis heute verfolgt, die grauen Augen die mich an den magersüchtigen kleinen Jungen in Marsberg erinnert haben. Ich bin ausgerutscht, gestolpert, hab dich angeschrien und wollte eigentlich nur draußen in der Nacht bleiben und die Zeit anhalten.
Wir sind über die A40 und die A3 zurück nach Türnich gefahren, haben an der Tankstelle in Bochum Stahlhausen gehalten um Waschwasser nachzufüllen, inzwischen regnete es nur noch und ich habe die drei Bilder geschossen, die jetzt hier über meinem Bett hängen - Impressions of the last day. Es war nicht unser letzter Tag zusammen, aber es war einer der intensivsten Momente überhaupt, dort im Regen auf dem Autobahnabschnitt der sich komischerweise immer schon wie zuhause angefühlt hat.
Ich hab dich zurück nachhause gebracht, du bist ausgestiegen, hast deine Sachen aus dem Kofferraum genommen, bist nochmal kurz reingekommen - auf meine Bitte hin - und was danach kam, darauf hast du irgendwann später nochmal angespielt, da bin ich mir fast sicher. Ich wollte dich nicht gehen lassen... ich hab dir gesagt, dass ich nicht weiß was ich tun soll wenn ich dich verliere. 'Du, mich verlieren? Du kannst mich nicht verlieren. Selbst wenn ich sterbe nicht.'
Die Rückfahrt von dir nach Essen war immer schwierig... nie der richtige Moment zu gehen. Kaum angekommen erreichte mich deine SMS. 'Ich werde leben.' - für mich war es trotzdem einer der letzten Tage.
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